An Tagen wie diesen

 

 

 

gibt es weiße Rosen für die „Mode von der Schwarzen Bank“.

 

Das Geschäft in der Münzstraße hat Geburtstag.

 

Mode-Kauffrau Beate G. übernahm das Ladengeschäft

 

und die schwarze Bank vor dem Haus

 

vor vierzehn Jahren von Jan Jastram, dem Bildhauer.

 

An Tagen wie diesen erinnert sie sich…

 

 

 

„Der Laden stand leer. Die Bank war übriggeblieben. Ich habe mich in beides verliebt. Den Laden habe ich gemietet. Die Jan Jastram-Bank gekauft. Eine Sitzbank aus Holz. Eiche, schwarz gestrichen. Ein schönes Stück, und für mich eine Art Eheversprechen, hier so schnell nicht wieder weg zu gehen.“

 

 

 

Beate Grabnitzki führt das Modegeschäft in der Schweriner Schelfstadt seit dem Sommer 2002. Die große schlanke Frau erfüllte sich damit einen Traum. Sie hatte sich schon immer für Mode interessiert und wäre gern Schneiderin geworden. Auf Wunsch ihrer Eltern erlernte sie einen technischen Beruf, wurde Betriebs-Ökonomin und arbeitete später im elterlichen Geschäft, einem Fachhandel für technischen Bedarf, Öle und Fette. Nach der Wende wagte sie den Neuanfang. Das Angebot in der Münzstraße kam ihr gerade recht.

 

 

 

Die schwarze Bank von Jan Jastram gehört zum Gründungsinventar. Sie ist bis heute Lieblingsstück der Chefin und Mittelpunkt im Verkaufsalltag. Brücke zwischen Drinnen und Draußen und Beweis, dass der Verkauf über den Ladentisch nicht alles ist. An der schwarzen Bank wird geschwatzt, begutachtet, erwogen, beratschlagt. Vor der schwarzen Bank wird Schaulaufen geprobt und Model gespielt. Auf der schwarzen Bank wird gesessen, philosophiert – über Sommertheater, Stadt-Bürokraten, wer noch lebt und wer schon tot ist, über Donald Trump, über Brodkorb und Plattdeutsch - und natürlich über Mode.

 

 

 

Wenn Beate G. über Mode spricht, führt ihre Rede irgendwann gewiss zu Armani. Giorge Armani ist ihr Vorbild, immer gewesen, bis heute geblieben. Bestimmte Eigenschaften des Grand-Couturiers aus Italien kann sie auch für sich in Anspruch nehmen: kompromisslos, detailbesessen, asketisch. Ihr Modeprogramm heißt seit 14 Jahren: Schlichter Auftritt, grafisch klare Schnitte, Basisfarben Schwarz, Grau in hellen und dunklen Tönen, Schlammfarben, ergänzt mit Schmuck und Tüchern in Farben von fröhlich bis grell, trägerinnengemäß. Die Materialien - Wolle, Kaschmir, Seide, Leinen, rein oder gemixt und Viskose. Wer bei ihr kauft, kann mit seinen Hosen, Pullis, Sirts und Jacken „alt und grau“ werden. Kleidung aus dem Beate-Geschäft eignet sich nicht zum Wegwerfen, aber bestens zum Kombinieren. Die Stoffe sind langlebig, die Schnitte zeitlos. Eine Hose von Annette Görtz ist auch nach Jahren noch en vogue, und ergänzt mit einem Masnada-Oberteil aus neuester Kollektion ein Hingucker auf jedem Parkett. Natürlich ist das markstrategisch kontraproduktiv, aber das hält die Mode-Kauffrau aus. „Gesehen, gekauft, gebraucht, vergessen – so kann ich nicht denken“, sagt sie, „es muss Zeit sein, Schönheit zu sehen, Überraschung zu genießen.“ Beispiel: Der Jackenknopf. Der dritte Knopf des Einreihers ist riesengroß, transparent, eingeschmolzen wie die Ameise im Bernstein sind sechs Mini-Manschettenknöpfe – die Knöpfe-im-Knopf. Die hellgraue Herbstjacke ist schön, auch ohne diesen Knopf-mit-Knöpfchen, aber mit ihm ist sie geadelt.

 

Zweimal im Jahr fährt Beate G. zum Einkaufen. Sie kauft auf den Messen in Berlin, Düsseldorf, Kopenhagen; in diesem Herbst zum ersten Mal in Paris. In Adaption zum Weihnachtsgedicht könnte man sagen „und sie bringt bestimmt etwas Schönes mit.“

 

Beate G. wird wie immer das einkaufen, was sie verkaufen möchte, getreu ihrer Linie und stur wie Armani, und sie wird hoffen, dass es viele dieser Glückmomente gibt wie unlängst auf der Modenschau in der Galerie „Teterower Bahnof“. „Die Frau war gekommen, um ein Bild zu kaufen, aber sie ging neu eingekleidet aus der Galerie, von Kopf bis Fuß Masnada, Annette Görtz, transit, Sarah Pucini… Das war für mich wie ein Strauß weißer Rosen zum Geburtstag.“

 

 

 

Astrid Kloock